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Nachbarliches

"Loch- oder Schloßmühle" unweit von Reichenfels

Direkt unter der Burg Reichenfels liegt im Triebestal die Loch- oder Schloßmühle. Sie ist die letzte noch erhaltene Mühle in der Hohenleubener Flur. Ihr Name weist bereits darauf hin, daß sie ursprünglich direkt zum Sitz des Herren auf Reichenfels gehörte.

Mühlen waren im Mittelalter wichtige Betriebe der landwirtschaftlichen Produktion und Verarbeitung. Nahezu jedes Dorf hatte eine Mühle, für die meist Mühlenzwang bestand, das heißt, daß sie von den Bauern des Ortes genutzt werden mußte. Daher waren die Müller, obwohl auch sie fronpflichtig waren, oft recht wohlhabend. Der Müller der Schloßmühle war dem Reichenfelser Herren beilfron- und richtfronpflichtig, er mußte also bei Bau- oder anderen Zimmermannsarbeiten Frondienste leisten und bei der Errichtung der Richtstätte im Falle eines peinlichen Gerichtsverfahren mithelfen. Anfangs hatte er die Mühle nicht eimal zum Lehen, sondern war nur unfreier Bediensteter des Herren.

Die Mühle ist sicher fast so alt wie der Sitz Reichenfels selbst. Schon in einem Fronverzeichnis von 1503 wird die Mühle erwähnt. Dort wird als Frondienst des Bauern Heinrich Tschechner aus Hohenleuben unter anderem festgelegt: "... fuhrt in die mulh getreyde in sooft mans heyßt".


Die Lochwiesen

Die Mühle lag unmittelbar am alten Fronweg, den die Bauern aus Triebes und Niederböhmersdorf benutzen mußten, wenn sie zum Dienst nach Reichenfels mit ihren Gespannen fuhren. Der Mühlgraben begann schon dort an der Triebes, wo heute der "Ritterhof" steht, und verlief von dem Wehr in einen Teich vor der Mühle, den "Schlatz". Von dort wurde er oberhalb der Mühle vorüber am Hauptgebäude geleitet und trieb das an der Nordseite befindliche Mühlrad an.

Im Verlauf ihrer Geschichte wird die Mühle auch als "Steinmühle", meist aber als "Lochmühle" bezeichnet. Dieser Name ist bis heute im Volksmund noch üblich. Er war wohl auch die offizielle Bezeichnung, denn das Flurstück dort heißt auf allen Flurkarten die "Lochwiesen". Ob diese Benennung darauf zurückzuführen ist, daß sich das Triebestal hier zwischen den Hängen zu einem "Loch" erweitert, oder ob sich der Name auf das in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem anderen Triebesufer liegende "Bergloch", den Rest eines mittelalterlichen Stollens - die sagenumwobene Kressenhöhle - bezieht, ist nicht nachzuweisen.


Fleißiger Mann

1722 aber wird erneut ein Georg Knüpfer auf der Lochmühle bei einem Hochgericht zum Bau der Hinrichtungsstätte in Schleiz befohlen. Im gleichen Jahr wird vom gräflichen Paragiatsamt in Köstritz eine Neuverlegung der Reichenfelser Besitzungen einschließlich der Lochmühle angewiesen. Dann muß die Mühle im Besitz der Familie Hesse gelangt sein, die möglicherweise in verwandtschaftlichen Beziehungen zu den vorherigen Inhabern stand, denn in vielen späteren Veröffentlichungen wird die Lochmühle als seit Jahrhunderten im Besitz der Hesses angegeben. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts bewirtschafteten die Hesses die Mühle. Erst nachdem der älteste Sohn Georg Hesse 1915 im Ersten Weltkrieg gefallen war, verkaufte der letzte Besitzer die Lochmühle oder Schloßmühle am 30. Oktober 1917 an den Müller K. Erich aus Saalfeld. Die Nachkommen (Ewald Hesse) übernahmen in Hohenleuben eine Bäckerei, die heute noch in Familienbesitz ist.

Über den letzten Lochmüller Hesse gibt es in Hohenleuben eine verbreitete Anekdote. Er war ein tuhiger und fleißiger Mann. Aber von der langen Arbeit mit viel Mehlstaub bekam man Durst. Und so ging der alte Lochmüller täglich hinauf nach Reichenfels oder nach Hohenleuben, um am Biertisch denselben zu löschen. Dabei mag es mitunter etwas viel geworden sein. Aber so ruhig und ohne daß man ihm etwas anmerkte, wie er gekommen, fand er auch stets wieder den Weg nach Hause. Seitdem heißt es in Hohenleuben, wenn einer einen Stiefel vertragen kann, "der hat ein Gefälle wie der Lochmüller".

Nach mehrmaligen Besitzerwechsel wurde schließlich die Schloßmühle 1926 stillgelegt. Ein Jahr später erwarb das Gebäude die Firma "Reichenfelser Grünsteinwerke Groß und König" für 30 000 Mark und richtete darin ihre Betriebsverwaltung ein. Gleichzeitig war sie Wohngebäude für Mitarbeiter des Steinbruchbetriebes. Im Jahre 1961 kaufte das Anwesen ein Magdeburger Konfektionsbetrieb und baute es zu einen Betriebsferienheim aus. Seit 1962 kamen ins Ferienheim "Schloßmühle Hohenleuben-Reichenfels" viele Urlauber gern wieder in die reizvolle und fern vom Touristenrummel gelegene Gegend. Manche kamen jedes Jahr wieder. Nach und nach wurde auch mit einem Kinderferienlager erweitert, was sicher günstig gelegen war, aber leider nicht zur Erhöhung und Erhaltung der natürlichen Schönheiten der Landschaft und des Triebestales beitrug. Heute ist die Loch- oder Schloßmühle wieder in Privatbesitz und der historische Charakter soll beibehalten werden.


Getreide gestohlen

Am 18. Juni 1599 wird erstmals ein Name genannt. Merten Senf aus Brückla verkauft seine "unterm Haus Reichenfels gelegene Mühlstadt" für 178 Aßo (altes Schock Meißner Gulden) an den Neumüller Illgen Kühnel, der seinerseits die unter Hohenleuben gelegene Neumühle im Jahre 1600 an Hans Priefer (Prüfer) Krunschwitz (Cronschwitz) veräußert. Überhaupt wechselten die Müller recht häufig. Mitunter hat auch ein Müller gleichzeitig mehrere Mühlen inne.

Im Jahre 1626 wird berichtet, daß der Lochmüller Michel Behr in Streit mit Veit Oettler aus Mehla liegt und daß Jaqcob Keyser aus Meila (Mehla) Strafe zahlen muß, weil er in der Lochmühle Getreide der Pfarre gestohlen hat. 1639 ist Hans Hagner Pächter der Loch- oder Steimühle, doch schon am 10. August 1640 übernimmt sie nach seinem Tode wieder Michael Behr aus Meilau. Von seinen Erben pachtete Daniel Schröter aus Weida die Lochmühle, die dem Junker Hans Heinrich von Müffling, Weiß genannt, gehört.

Während des Dreißigjährigen Krieges hält sich in unmittelbarer Nähe der Mühle der legendäre Bauerngeneral Georg Kresse in dem oben genannten Bergloch und der benachbarten "Kressestube", einer Felsengrube, verborgen. Er muß gute Beziehungen zu den Bewohnern der Mühle gehabt haben, denn es ist unwahrscheinlich, daß er sich unerkannt so dicht bei dem Anwesen aufgehalten oder gar verborgen haben kann.

Im Jahre 1662 wird ein weiterer Pächter der Lochmühle erwähnt. Für 60 alte Schock übernimmt sie Michael Löscher von Heinrich von Müffling, einem Sohn des oben genannten Adligen. In der Folgezeit sind die Besitzverhältnisse recht unklar. Ein reußisch-gräfliches Rechnungsbuch nennt 1697 Andreas Hempel als Müller auf der Lochmühle, und Martini (11. November) 1702 geht diese nunmehrige Mehl-, Öl- und Schneidemühle vom Lochmüller Andreas Hempel, der sie am 22. Januar 1712 an Hans Heinrich Prüfer verkauft, für den aber sein Sohn Johann Prüfer unterschreiben muß, weil er selbst des Schreibens unkundig ist.

Verfasser: Herr F.W. Trebge
Mit freundlicher Genehmigung des Museum Reichenfels
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